Rückbesinnung – Wir können jederzeit von vorn beginnen

Mir klingen die Worte von Dieter Hallervorden in den Ohren. Ich hörte ihn sagen „Wir müssen einmal mehr aufstehen als wir hingefallen sind.“ Der Spruch ist mir keineswegs neu. Aber wie so oft, kam er genau im richtigen Moment zu mir … dabei dachte ich gestern noch, wie leid ich diese ganzen Weisheiten und Sprüche habe. Wir sind voll davon. Und mit diesen Gedanken legte ich auch die Idee beiseite, einen Adventskalender mit noch mehr Weisheiten ins Leben zu rufen.

Gleichzeitig geriet ich in einen Strudel von – Wem nützt es schon, dass ich mich brav an alles halte, was man alles machen sollte. Also was soll`s immer rein mit noch einem Plätzchen und irgendwelchen Spielchen am Smartphone. Abschalten – nichts tun – kann doch nicht so schwer sein. Ich habe es jetzt verdient mir was „Gutes“ zu tun.

Blöd nur, dass es mir dabei immer schlechter ging anstatt besser … Sollte ich es nicht langsam besser wissen? Wieder ein Rückfall in meine alten Muster … Was tut mir den jetzt wirklich Gut? Immer wieder musste ich mich an die Menschen erinnern, wie z.B unsere Nonnen & Mönche oder die Yogis. Sie leben nach bestimmten Regeln – sind diszipliniert… Und dann immer wieder die Worte in meinem inneren Ohr aus dem Vaterunser „Und führe uns nicht in Versuchung …“

Oh je dachte ich, kann mir das bitte mal einer erklären ??? Wieso sollte man sich den so disziplinieren??? Es kann doch nicht so dramatisch sein, wenn ich mal davon abkomme … was ist das für ein Leben sich so zu disziplinieren ???

Anderseits, dass ich so wenig Disziplin habe, gibt mir zwar vielleicht in dem Moment ein „Hochgefühl“ aber nur für kurze Zeit. Langfristig gesehen, schade ich mir mehr als dass es mir gut tut. Wäre es vielleicht doch besser mehr Disziplin an den Tag zu legen??? …

Langsam beginne ich einen Sinn darin zu sehen. Die Menschen, die jeden Tag ins Gebet gehen und sich immer wieder an das Göttliche erinnern – an ihren spirituellen Flügel – haben einen deutlichen Vorteil. Sie lassen sich nicht so schnell in Versuchung führen – sie werden dadurch viel achtsamer. Mir wird klar, dass sie damit auch ihre Verantwortung ernst nehmen, die wir alle gegenüber unseren Mitmenschen und auch unserer Erde haben. Sie versuchen im Einklang zu leben mit allem.

Mir wird klar wie schön es ist, erinnert zu werden immer wieder. Ich sehe die vielen Worte im Internet oder in den Büchern jetzt mit Dankbarkeit an. Das ein oder andere landet doch dann doch bei mir. Und wenn ich merke, dass es zu viel für meine Kopf ist, dann hat es auch einen großen Vorteil. Ich lasse es an mir vorbei fließen und mache die Augen zu, damit ich meine eigene Weisheit hören kann. Das erinnert mich wiederum an die Aussage „Triffst du Buddha unterwegs, dann töte ihn.“ Was nichts anders heißt als: Prüfe alles in dir, ob es für dich stimmt…

Und in diesem Sinn, wird das ein oder andere Wort, was ich hier schreibe vielleicht bei jemanden ankommen und bei den meisten vorbei fließen … und ich darf lernen, dass es ok ist, denn es geht mir ja oft nicht anders. Jedes Wort, was aus dem Herzen fließt darf in die Welt …

Jedenfalls weiß ich jetzt, dass ich wirklich dankbar bin für die vielen Erinnerungen, die ich auf den Weg gelegt bekomme … so wie die von mir geliebten Sprüche auf den Yogitees. Ich weiß jetzt das es mehr Sinn macht für mich der ein oder anderen Versuchung zu widerstehen und mich jeden Tag Rückbesinnen möchte. Ich weiß, dass ich das nicht nur für mich mache. Mich haben vor allem diese Worte zurück besinnen lassen aus dem Thomas Evangelium von K.O. Schmidt :

“ ICH BIN DU“ – „DU BIST ICH“

Wir sind niemals getrennt. Unser denken und handeln hat immer eine Auswirkung auf alles andere. Ich hoffe, dass ich mich daran jeden Tag erinnere…

Zum Abschluss möchte ich euch eine Auszug aus dem Thomas Evangelium von K.O.Schmidt hier da lassen. Es ist meine ganz persönliche Bibel, die mich immer wieder begleite. Es ist sehr christlich, aber am Ende passt es von Sinn her, meiner Ansicht nach, in jede andere Religion:

(Seite 74) 17.REICHTUM VON INNEN

„Ich werde euch geben, was kein Auge gesehen, kein Ohr vernommen und keine Hand berührt hat, und was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist.“

Diese Verheißung meint die Fülle des Reiches Gottes, die man nicht mit Leibesaugen sehen, mit den Ohren vernehmen, mit den Händen greifen oder mit den Gedanken ersinnen kann, weil sie geistiger Art ist und beseligender als alles, was die Welt an Freuden geben kann.

Zu dieser Fülle gelangt nicht, wer an äußeren Dingen haftet, sondern nur, wer sich ein-wärts wendet und das Größere findet, von dem die Welt nichts weiß.

Das macht uns ein weiteres überliefertes Herrenwort vom innern Reichtum noch von einer anderen Seite bewusst: „Der Mann wird als reich in Gott erachtet, der erkannt hat, dass das Alte aus der alten Zeit neu und das Neue alt ist. Siebe, ich mache alles neu.“

Wer hinter den neusten Nachrichten und Dingen herjagt, nur das jeweils Neue für das Beste und Wichtigste hält, wird von Christus arm genannt, weil er, den Sinnen folgend, den Sinn verfehlt und, solange er Täuschungen verfällt, Enttäuschungen erfährt.

Den nichts wird schneller alt als das Neue; und nur wenige Menschen lernen aus der Geschichte, dass der Mensch aus der Geschichte nichts lernt.

Und nichts macht schneller alt als die Sucht und Suche nach immer neuen Dingen und Formen, die in der bitteren Einsicht endet, dass nichts Endgültiges gewonnen ward und das Wesentliche verloren ging …

Hingegen gilt der als „reich in Gott“, der nicht den neusten Ereignissen und Dingen nachjagt, um bei allem dabei zu sein, sondern immer bei sich und seiner selbst bewußt und gewiß ist, sich vom zeitlosen Geist der Wahrheit leiten läßt und unbeirrt seinen Weg zum Licht geht. Ihm ist das Neue alt, während die uralten Wahrheiten und Weisheiten der Erwachten aller Zeiten ewig neu sind und ihm zu Förderern werden auf seinem Weg immerwährende Erneuerung.

Er sieht sich selbst, die Welt und das Leben im aufsteigenden Licht des Inneren täglich neu. Jede Begegnung mit anderen Wesen oder dem Schicksal offenbart ihm neue Beglückungen und tiefere Wunder und Einsichten. Und je lebendiger er zum Christus in ihm erwacht, desto heller flammt seine Freude über das Neuwerden aller Dinge und über den neuen Geist, der alles durchstrahlt und durchgottet.

Über allem steht ihm die eigene Erneuerung: das Emporwachsen des neuen Menschen aus dem alten, des lebendigen Gottmenschen aus dem Dämmerschlaf des Herdenmenschen, und die stufenweise Wandlung des zeitlichen Daseins in das Ewige Leben, das immer höher führt.

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